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Wie ich in jungen Jahren ohne Geld sechs Wochen in Ferien fuhr

Als ich so etwa 16 oder 17 Jahre alt war, wollte ich in den Sommerferien unbedingt verreisen, wohin, war eigentlich egal, Hauptsache verreisen. Aber da gab es ein Dilemma: ich hatte kein Geld, und von meinen Eltern hatte ich finanziell auch nichts zu erwarten; denn wir waren arm, aber verreisen wollte ich trotzdem. Bloß WIE? Da hatte ich eine Idee; wenn man in Amerika als Tellerwäscher Millionär werden kann, warum sollte ich dann als Tellerwäscherin nicht zumindest eine Reise erwirtschaften? Also schrieb ich vor den Sommerferien einige Jugendherbergs-Eltern an des Inhalts, dass ich gern in der Küche der Jugendherberge als Tellerwäscherin arbeiten würde, und als Gegenleistung wollte ich kein Geld, sondern nur eine Fahrkarte, hin und zurück, und Kost und Logis, sowie einen Tag pro Woche frei haben.

Mein Wunsch erfüllte sich; aus Wilhelmshaven, einer Küstenstadt an der Nordsee, antwortete mir das Herbergs-Elternpaar, dass ich willkommen sei und dass ihnen meine Idee und mein 'Arbeitsangebot' gefiel. - Welche eine Aufregung! Im Briefumschlag lag das Geld für eine Fahrkarte, hin und zurück. Sogar so eine Art Fahrplan hatten sie mir dazu gelegt und auch ihre Telefonnummer; ich solle mich telefonisch melden, wann ich ankommen würde. - Nun sollte ich für jüngere Leser erklären, dass diese Zeit das Zeitalter ohne Handy, ohne Smartphone, ohne Tablet war.  Im besten Fall hatte eine Familie ein Telefon, mit Schnur (die manchmal so etwa 5 m lang war), und ein Ferngespräch war extra teuer, weswegen man sich diesen Luxus nicht leistete. Meine Familie hatte kein Telefon, aber in 1 km Entfernung gab es eine Telefonzelle, von da aus konnte man überall hin anrufen, vorausgesetzt man hatte genügend Kleingeld bei sich. Das Telefonieren aus der Telefonzelle mochte ich nicht. Schon das Schild "Fasse dich kurz! Nimm Rücksicht auf Wartende" machte mich nervös. Und auch, wenn ich mich noch so kurzfasste, kaum hatte ich angefangen zu telefonieren, schlichen sich Wartende ums Telefonhäuschen, die mich unruhig machten und die vermutlich auch alles mithörten. Furchtbar.

Die Sommerferien hatten begonnen; mit einem kleinen Koffer trat ich die weite Reise an. Ich war noch nie wo weit allein gereist. Was könnten das für Menschen sein, die mir, einer völlig unbekannten Schülerin, vertrauensvoll Geld geschickt hatten? Ob das vielleicht Kriminelle sein könnten, die mich in eine Falle locken wollten, weil ich so naiv war? Irgendwie war mir mulmig zumute...

In Wilhelmshaven stand die Herbergsmutter, eine stramme junge Frau, am Bahnhof, um mich abzuholen. Sie erkannte mich sofort, obwohl wir kein Erkennungszeichen verabredet hatten. Mit dem Auto fuhren wir zur Jugendherberge, die fast direkt am Meer lag. Die Herbergsmutter begleitete mich in einen großen Saal, in dem viele Betten standen; und ein Bett war für mich.

Ich verbrachte herrliche sechs Wochen in dieser Jugendherberge; morgens half ich beim Frühstück-Zubereiten, mittags wusch ich massenhaft Teller und Besteck ab (es gab noch keine Geschirrspülmaschine; ein Glück für mich, denn sonst hätte ich diesen Job nicht bekommen), und abends deckte ich auch mit der Herbergsmutter die Tische für alle Gäste. Im Schlafsaal tuschelten wir, lauter Mädchen, noch bis lange in die Nacht hinein. Und einen Tag in der Woche hatte ich frei. Dann durfte ich mich irgendeiner Gruppe anschließen, die an dem Tag einen interessanten Ausflug machte. Es war eine herrliche Zeit für mich, obwohl ich weder eine Visa Agentur noch Fernreisen kannte; aber das sollte sich im Laufe meines Lebens ändern.
13.8.17 15:21
 


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